Vom Vlies zum Stoff: Alpenwolle, Weben und Filzen zum Anfassen

Heute widmen wir uns dem Weg vom Vlies zum Stoff – Alpenwolle, Weben und Filzerfahrungen. Gemeinsam folgen wir den Fasern von der sommerlichen Alm bis zur warmen Decke, entdecken handwerkliche Techniken, kleine Geheimnisse, geerdete Rituale und überraschende Aha-Momente, die Lust machen, mitzudiskutieren, Fragen zu stellen und eigene Projekte mutig zu beginnen.

Schur und Sortierung

Ein geübter Scherer arbeitet ruhig, hält das Tier sicher und setzt lange Züge, damit das Vlies zusammenbleibt. Anschließend sortieren flinke Hände: Decke, Bauch, Bein, Halspartien getrennt, grobe Pflanzenreste entfernt. So entscheidet sich bereits hier, ob kostbare Weichheit oder robustes Walktuch entsteht.

Waschen und Kardieren

Warm, nicht heiß, mit Seife oder Soda, ohne hektisches Rühren: So löst sich Schmutz, ohne die Faser zu strapazieren. Beim Kardieren richten feine Zähne die Schuppen aus, Luft kommt hinein, Klümpchen gehen. Ergebnis: gleichmäßige Rolags oder Vliesbahnen, bereit für Spindel, Spinnrad oder Filzspaß.

Spinnen: Drall, Rhythmus, Gefühl

Ob Fallspindel, Handspindel oder leises Spinnrad: Entscheidend ist der Fluss zwischen Zupfen, Drehen, Ausziehen und Entspannen. Drall bindet, zu viel verwirrt, zu wenig macht brüchig. Ein kleiner Aha-Trick: regelmäßig entdrallen, Probezwirn legen, dann stimmt die spätere Balance.

Gewebe mit Atem

Weben verbindet Kette und Schuss zu Flächen, die wärmen, atmen und lange halten. Wir erkunden Spannung, Fadendichte, Webkanten und Bindungen von Leinwand bis Köper. Mit Beispielen aus Bergtälern zeigen wir, wie unterschiedliche Garne, Zwirnrichtungen und Feuchte das Griffgefühl und den Fall verändern.

Kette und Schuss im Gleichgewicht

Zu stramme Kette reißt, zu lockere lässt Wellen entstehen. Einfache Tests mit Fingerdruck, Klang und Sicht auf die Webkante helfen, die Spannung zu finden. Schussdichte variiert je nach Garn elastisch mit. Wer Notizen führt, kann später verlässlich reproduzieren und experimentieren.

Bindungen verstehen: Leinwand, Köper, Satin

Leinwand ist ehrlich, stabil und ideal für handgesponnene Garne. Köper bringt Diagonalen, mehr Drapierung und oft strapazierfähige Oberflächen. Satin strahlt, verlangt jedoch Sorgfalt bei Fadenzahl und Abrieb. Beispiele zeigen, wann rustikale Alpenwolle weich fällt, wann sie lieber als Walkstoff glänzt.

Filz, der formt und schützt

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Nassfilzen Schritt für Schritt

Vom Auslegen dünner Lagen in gekreuzter Richtung über warmes Wasser, Seife, sanftes Reiben bis zum Walken: Jede Phase hat ein eigenes Tempo. Probequadrate klären Schrumpfung. Geduld belohnt mit dichter Oberfläche, klaren Kanten und langlebigen Taschen, Hausschuhen, Sitzkissen oder schützenden Hüten.

Trockenfilzen: Nadeln, Formen, Details

Spezielle Nadeln mit Widerhaken verdichten Fasern punktgenau. Mit grober Nadel entsteht schnell Volumen, feine Nadeln glätten und zeichnen. Formen bauen wir innen hohl auf, damit Gewichte stimmen. Kleine Farbtupfer, Locken, Garne setzen Akzente, ohne den federnden Charakter zu verlieren.

Farben und Muster aus der Höhe

Zwischen Lärchen, Walnussbäumen und alpinen Kräutern finden sich Farbstoffe, die Wolle leuchten lassen. Wir sprechen über Krapp, Reseda, Walnussschalen und Indigo, über Beizen, pH-Werte und Licht. Außerdem: einfache Musterideen, Streifenrhythmen und resistbasierte Experimente, die dem Gewebe Bergluft, Bewegung und Geschichten einweben.

Menschen, Herden und gelebte Tradition

Als die Stirnlampe flackerte, wickelte mir der Hirte ohne Worte einen dicken Loden um die Schultern. Der Wind verstummte nicht, aber das Zittern ging. Später erzählte er, wie Walkfilz Regen bricht und dennoch atmend bleibt, sogar am Sattel.
Im Wirtshaus füllten Körbe den Raum, Kinder trugen Wollflocken herbei, jemand erzählte von der letzten Schafschur. Zwischendurch wurde gelacht, verglichen, verbessert. Wer neu dazukam, bekam Tipps und leise Ermutigung. Genau so entstehen Netzwerke, Wissenstransfer und bleibende Lust auf ehrliche Materialien.
Geschmückte Tiere kehren heim, Glocken wogen, Stoffe wechseln Besitzer. Wer mit offenen Augen zuhört, sammelt Musterideen, Kontakte zu kleinen Betrieben und Geschichten, die Projekte tragen. Erzählt in den Kommentaren eure Lieblingsbräuche und Fundstücke – vielleicht entsteht daraus die nächste gemeinsame Anleitung.

Pflege, Reparatur und nachhaltige Zukunft

Wolle liebt frische Luft mehr als ständiges Waschen. Richtig gelüftet, gebürstet und gelagert bleibt sie formstabil und frei von Motten. Wir zeigen schonende Reinigungen, Reparaturtechniken, Stopfen und Verstärken. Außerdem beleuchten wir Herkunft, faire Preise, regionales Spinnen, transparente Lieferketten und Einladungen zum Mitmachen.

Waschen, Lüften, Lagern

Kalt lüften statt heiß schrubben, Flecken lokal behandeln, Wollwaschgang nur bei Bedarf. Flach trocknen, in Form ziehen, sanft bürsten. Lagerung mit Zedernholz, dichtem Beutel und regelmäßigem Auffrischen schützt verlässlich. Teilt eure Routinen und Lieblingsmittel, damit Erfahrungen wandern und Missgeschicke seltener werden.

Stopfen, Sticken, Weitertragen

Mit farbigen Garnen werden Löcher Geschichten. Schweizer Stopfstich, gewebte Darnings und sichtbare Reparaturen machen Stücke einzigartig. Wir erklären Spannrahmen, Fadenspannung und Kantenführung. Wer mag, teilt Vorher-Nachher-Fotos, tauscht Garnreste und vereinbart Reparaturrunden – langlebige Garderoben beginnen oft mit kleinen, mutigen Stichen.

Transparenz und Einladung

Nachvollziehbare Wege vom Schaf bis zum Stoff schaffen Vertrauen. Fragt nach Hof, Schur, Spinnerei und Verarbeitung, unterstützt ehrliche Preise. Wir sammeln Bezugsquellen, portraitieren Betriebe und laden euch ein, Fragen, Wünsche, Kritik und Erfolge zu teilen – gemeinsam wächst Wissen, Fairness und Freude.

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